Methode

Prozesslandkarte

Prozesslandkarte (Process Map)

Eine Prozesslandkarte ist eine strukturierte Visualisierung aller Wertschöpfungs-Prozesse eines Unternehmens. Wer macht was, mit welchem Werkzeug, auf welcher Datenbasis, in welcher Reihenfolge. Die echte Prozesslandkarte unterscheidet sich oft deutlich von dem, was im ISO-Handbuch steht.

Schaffsch-Position

Eine Prozesslandkarte ohne Beobachtung am echten Arbeitsplatz ist Fiktion. Wir lassen sie deshalb nie nur in der Geschäftsführung erstellen, sondern mit denjenigen, die den Prozess täglich gehen. Die Karte ist nicht der Output, der Output ist die Klarheit über die Lücken zwischen Soll und Ist.

Philipp Sonnenstrahl

Eine Prozesslandkarte aus dem ISO-Handbuch lässt sich in 30 Minuten zeichnen. Die echte braucht zwei Tage Beobachtung. Genau dieser Zeitunterschied ist der Unterschied zwischen Papier und Realität.

Kommentar von Philipp Sonnenstrahl

Kontext

In der klassischen Beratung wird die Prozesslandkarte top-down aus Soll-Zuständen abgeleitet, oft für ISO-9001-Audits. Im Mittelstand führt das zu zwei parallelen Realitäten: Dem dokumentierten Prozess im Ordner und dem gelebten Prozess am Arbeitsplatz. Eine ehrliche Prozesslandkarte entsteht aus Beobachtung des Ist-Zustands, nicht aus Workshops in der Geschäftsführung.

Beispiel

Ein Mittelständler mit 40 Mitarbeitern lässt seine Auftragsabwicklung kartieren. Geplant war ein Tag, herausgekommen sind drei Tage Beobachtung am Arbeitsplatz. Die Karte zeigt drei Excel-Dateien, von denen niemand offiziell weiß, eine WhatsApp-Gruppe für Werkstatt-Abstimmungen und einen Papier-Notizblock am Telefon. Genau dort sitzen die Hebel.

Häufige Fragen

Wie detailliert muss eine Prozesslandkarte sein?

So detailliert wie nötig, um den Engpass zu finden, nicht detaillierter. Eine Karte mit 200 Prozessen ist meist ein Symptom, kein Werkzeug. Drei bis fünf wirkliche Wertschöpfungs-Prozesse pro Bereich reichen für den Anfang.

Welches Tool für Prozesslandkarten?

Stift, Papier und Flipchart für die Aufnahme. Erst danach Digitalisierung in einfachen Tools wie draw.io, Miro oder Lucidchart. Wer mit BPMN-Software startet, optimiert das Diagramm statt den Prozess.

Welche Prozessarten gehören in eine Prozesslandkarte?

Klassisch unterscheidet man drei Ebenen. Management- oder Steuerungsprozesse: Strategie, Planung, Controlling, Führung. Kernprozesse: Direkte Wertschöpfung am Kunden, also Vertrieb, Produktion, Lieferung, Service. Unterstützungsprozesse: IT, HR, Buchhaltung, Einkauf, Qualitätsmanagement. Eine saubere Prozesslandkarte zeigt alle drei Ebenen und macht sichtbar, welche Prozesse den Kundennutzen direkt tragen und welche zuliefern.

Wie erstellt man eine Prozesslandkarte?

In sechs Schritten: Erstens die Wertschöpfungslogik klären (was verkaufen wir, an wen). Zweitens Kernprozesse vom Kunden her rückwärts ableiten. Drittens Management- und Unterstützungsprozesse ergänzen. Viertens am echten Arbeitsplatz beobachten, nicht im Konferenzraum modellieren. Fünftens auf einer Seite visualisieren (Stift und Papier reichen anfangs). Sechstens mit denen abgleichen, die den Prozess täglich gehen. Erst danach digitalisieren.

Brauche ich eine Prozesslandkarte für ISO 9001?

Ja, die ISO 9001 fordert seit der Revision 2015 explizit einen prozessorientierten Ansatz inklusive Darstellung der Prozesse und ihrer Wechselwirkungen. Eine Prozesslandkarte ist das Standard-Format dafür. Wichtig: Die ISO-Norm fordert keine bestimmte Form, sondern Nachvollziehbarkeit. Eine ehrliche, gelebte Karte ist auditfest, eine ausgedruckte Schaufenster-Karte oft nicht.

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