Das Unternehmen
Trade Waste International GmbH (TWI) bewegt sich dort, wo Entsorgung komplex wird. Das Unternehmen identifiziert Abfälle auf ihre Substanz und Inhaltsstoffe, führt Probenahmen durch, verpackt und deklariert gefährliche Chemikalien nach AVV, plant und leitet Bau- und Schadensanierungsprojekte und koordiniert die fachgerechte Entsorgung gefährlicher wie nicht-gefährlicher Abfälle zwischen Erzeugern und zertifizierten Entsorgungsbetrieben. Handeln und Makeln nach KrWG §54 gehört dazu, ist aber nur ein Teil des Leistungsspektrums.
Im Tagesgeschäft bedeutet das: TWI kauft Entsorgungsleistungen ein, steuert die Logistik und rechnet an ihre Auftraggeber weiter. Täglich laufen Dutzende Eingangsrechnungen auf, jede in einem anderen Format, jede in anderen Einheiten, jede mit eigener Branchenlogik. Dazu kommt die regulatorische Dimension. Abfallerzeuger tragen die primäre Verantwortung für ihre Abfallströme. Wer als Dienstleister in dieser Kette tätig ist, muss lückenlose Nachweise führen und Abfallströme sauber dokumentieren können.
Mit einem kleinen Team bewegt TWI Entsorgungsvolumina, für die andere Unternehmen deutlich mehr Personal bräuchten. Das war lange eine Stärke und wurde zur strategischen Herausforderung, als Michael Wentler, Geschäftsführer, die nächste Wachstumsphase einläuten wollte.
Wachstum war der Plan, nicht das Problem
Als Michael auf uns zukam, hatte TWI kein akutes Problem. Das System lief. Die Mitarbeiter wussten, was zu tun war. Die Kunden waren zufrieden.
Aber Michael sah etwas, das von innen nicht immer sichtbar ist: eine Kapazitätsgrenze, die näher rückte. Die Wachstumsambitionen waren konkret, das Auftragsvolumen würde steigen. Das war keine Spekulation, sondern absehbar. Und Michael wusste: Das bestehende System wächst nicht automatisch mit. Disposition, Fakturierung und Buchhaltung arbeiteten auf getrennten Datenbeständen. Der Überblick hing an Rückfragen. Das funktioniert bis zu einem bestimmten Punkt. Danach nicht mehr.
Dieser Punkt war noch nicht erreicht. Aber er war erkennbar.
Die Entscheidung, jetzt zu handeln, ist selten. Die meisten Unternehmen kommen erst, wenn der Druck bereits spürbar ist, wenn Rechnungen liegenbleiben, Fehler sich häufen, Mitarbeiter im Stau stecken. TWI kam früher, mit einer klaren Haltung: Wir wollen skalieren. Baut uns das Fundament dafür, bevor wir es brauchen.
Vier Perspektiven auf dieselben Daten
Ein Umbau im laufenden Betrieb, während gleichzeitig das Geschäft wächst, stellt andere Anforderungen als ein Greenfield-Projekt. Es gibt keine Pause, keine Übergangszeit, kein Moratorium. Die Rechnungen kommen weiter. Die Kunden wollen wissen, ob ihr Container geliefert wurde, wann die nächste Abholung stattfindet, ob der Auftrag bestätigt ist. Die Disposition koordiniert täglich Dutzende Aufträge.
Deshalb war der erste Schritt kein technischer. Bevor eine einzige Automatisierung lief, haben wir zugehört. Gespräche mit allen vier Abteilungen: Geschäftsführung, Disposition, Fakturierung, Buchhaltung. Vier Abteilungen, vier Perspektiven auf dieselben Daten, jede davon berechtigt.
Die Disposition denkt in Baustellen und Projektnummern. Welcher Container steht wo? Welcher Lieferant wurde beauftragt? Ist der Auftrag abgeschlossen? Die Fakturierung denkt in Rechnungspositionen und Margen. Welche Einheiten rechnet dieser Lieferant ab? Ist der Aufschlag korrekt? Ist die Position freigegeben? Die Buchhaltung denkt in Buchungssätzen und Kontenrahmen. Stimmt die Kontierung? Ist der Export vollständig? Und Michael will wissen: Wo stehen wir heute, und wo stehen wir nächstes Quartal?
Alle vier haben recht. Alle vier brauchen ihre Sicht. Und alle vier hatten bisher auf getrennten Datenbeständen gearbeitet.
Die zentrale Erkenntnis aus diesen Gesprächen: Eingangsrechnungen sind der natürliche Startpunkt. Dort entstehen alle Daten, die alle nachgelagerten Prozesse brauchen. Wenn diese Daten einmal sauber erfasst, normalisiert und verknüpft sind, fließen sie automatisch weiter: in die Fakturierung, die Buchhaltung, das Reporting. Ohne Doppelarbeit, ohne Medienbrüche.
Gemeinsam haben wir das Datenmodell entwickelt: Kunden, Lieferanten, Baustellen, Aufträge, Rechnungen, Rechnungspositionen. Jede Entität klar definiert, mit den anderen verknüpft, für jede Abteilung in ihrer Ansicht abrufbar. Doch bevor Lieferanten ins System kommen, finden Verhandlungen und Prüfungen statt. Sie werden als Partner eingebunden. Das ist ein bewusster Prozess, keine reine Stammdatenpflege. Das Datenmodell war das Fundament. Alles Weitere baute darauf auf.
Phase 1: Den ersten Schmerzpunkt lösen
Nach etwa acht Wochen stand die erste Version. Der Fokus war klar: Fakturierung und Weiterberechnung. Das war der Engpass, der TWIs Wachstumspläne am stärksten gefährdete.
Was von außen wie reine Rechnungsverarbeitung aussieht, hat bei TWI einen langen Vorlauf. Bevor ein Lieferant überhaupt eine erste Rechnung stellt, hat das Team erhebliche Vorarbeit geleistet: Verhandlungen über Konditionen und Entsorgungswege, Audits zur fachlichen und regulatorischen Eignung, Prüfung der Zertifizierungen und Nachweisketten. Wer bei TWI als Partner ins System aufgenommen wird, hat einen Qualifizierungsprozess durchlaufen, der sicherstellt, dass die Zusammenarbeit auf einem belastbaren Fundament steht. Diese Sorgfalt bei der Lieferantenauswahl ist ein wesentlicher Teil dessen, was TWI als Dienstleister auszeichnet.
Umso wichtiger, dass ab dem Moment, wo die Rechnung eines qualifizierten Partners eingeht, der nachgelagerte Prozess reibungslos läuft. Eingangsrechnungen erfassen, AVV-Nummern zuordnen, Einheiten normalisieren, Margen berechnen, Ausgangsrechnungen erstellen und das für ein Volumen, das wächst. Hier lag der Engpass. Nicht in der Qualität der Arbeit, sondern in der Skalierbarkeit des manuellen Aufwands.
Eine Entsorgungsrechnung ist kein Büromaterialeinkauf. Die Positionen enthalten AVV-Nummern, sechsstellige Abfallschlüssel, die jeden Abfallstrom eindeutig klassifizieren. Jeder Lieferant schreibt sie anders. Eine Tonne Bauschutt unter AVV 17 01 01 muss als solche erkannt werden, egal ob der Lieferant „Beton" schreibt, „mineralisches Gemisch" oder eine interne Kurzbezeichnung. Dazu kommt die Einheitenfrage: Lieferant A rechnet in Tonnen ab, Kunde B will Kubikmeter auf seiner Rechnung sehen. All das muss automatisch, korrekt und nachvollziehbar funktionieren.
Was in der Theorie wie ein technisches Integrationsprojekt klingt, war in der Praxis vor allem ein Stakeholder-Projekt. Neue Tools, neue Systeme, eine neue Arbeitsweise. Und das, während das Tagesgeschäft weiterläuft. Wir mussten schnell ein tiefes Verständnis für die Welt jeder Abteilung aufbauen: ihre Sprache, ihre Prioritäten, ihren Rhythmus. Klare Kommunikation mit allen Beteiligten war keine Nice-to-have, sondern die Voraussetzung dafür, dass der Umbau im laufenden Betrieb gelingt.
Das Ergebnis: Eingangsrechnungen fließen durch ein standardisiertes System. Positionen sind zugeordnet, Margen berechnet, Ausgangsrechnungen im Buchhaltungssystem vorausgefüllt. Was vorher Stunden dauerte, dauert jetzt Minuten. Die Fakturierung prüft und gibt frei. Den Rest erledigt das System.
Die technische Umsetzung der Fakturierungspipeline, von OCR und AVV-Klassifikation über die Normalisierungspipeline bis zur Übergabe ans Buchhaltungssystem, beschreibt das Projekt Automatische Fakturierung & Weiterberechnung im Detail.
Phase 2: Sichtbarkeit schaffen
Als die Fakturierung lief, passierte etwas, das wir oft beobachten, wenn ein Prozess zum ersten Mal strukturiert wird: Der Rückstand wurde sichtbar. Nicht weil er schlimmer geworden wäre, sondern weil er jetzt messbar war.
Das System zeigte in Echtzeit, wie viele Eingangsrechnungen noch offen waren, wie viele Positionen zur Freigabe bereitstanden, wo im Prozess etwas hing. Der Stapel wurde kleiner. Und alle konnten es sehen.
Für Michael veränderte das die Qualität seiner Unternehmensführung grundlegend. Statt Rückfragen an die Fachabteilungen: ein Klick. Offene Posten, Fakturierungsstatus, Umsatzentwicklung, Rechnungslaufzeiten. Immer aktuell, direkt aus dem laufenden Prozess, ohne dass jemand eine Auswertung zusammenstellen musste.
Aber das System zeigte auch etwas anderes: den nächsten Engpass. Die Fakturierung lief, und damit wurde sichtbar, wo das nächste menschliche Kapital gebunden war.
Phase 3: Neue Möglichkeiten aus sauberen Daten
Je sauberer die Datenbasis wurde, desto mehr Möglichkeiten ergaben sich. Nicht weil sie geplant waren, sondern weil sie als logische Konsequenz aus strukturierten Daten entstanden.
Ein Beispiel: Die Daten, die für die Fakturierung ohnehin positionsgenau erfasst werden, tragen genug Information, um daraus automatisch Kundenreportings zu generieren. Was vorher ein separater, manueller Aufwand war, wurde zu einem Nebenprodukt des laufenden Prozesses. Das war kein ursprünglicher Bestandteil des Auftrags. Es wurde zu einem echten Verkaufserfolg. Mit sauberen Daten und dem richtigen System bietet TWI das heute als Zusatzservice an.
Dasselbe Prinzip gilt für weitere Ausbaustufen: Wenn die Daten einmal strukturiert vorliegen, sind neue Services eine Frage der Konfiguration, nicht der Neuerhebung. TWI arbeitet aktuell an mehreren Erweiterungen, die auf genau diesem Fundament aufbauen.
Phase 4: Der geschlossene Kreis
Mit funktionierender Fakturierung und sichtbarem Echtzeit-Überblick war das operative Herzstück gebaut. Der letzte große Schritt: die Buchhaltung sauber in den Datenstrom integrieren.
Hier ging es nicht darum, etwas Neues zu erfinden, sondern den bestehenden Datenfluss konsequent zu Ende zu denken. Die Daten, die in der Fakturierung entstehen, tragen genug Information für standardisierte Buchungssätze. Ein Prüfsystem, das organisch mit dem Datenstrom läuft, identifiziert Unstimmigkeiten bevor sie den DATEV-Export erreichen. Der Export selbst ist vollständig automatisiert. Keine manuelle Formatanpassung, keine Rückfragen zur Kontierung.
Der nächste Schritt folgt derselben Logik: Überweisungsvorlagen werden automatisch auf Basis der geprüften Rechnungsdaten generiert und Michael zur Freigabe bereitgestellt. Und was danach kommt, offene Posten, Mahnwesen und unbezahlte Rechnungen, ist der nächste natürliche Ausbauschritt des Systems, das bereits läuft.
Das Prinzip ist immer dasselbe. Daten, die einmal sauber erfasst sind, arbeiten für das gesamte Unternehmen. Nicht einmal pro Abteilung, sondern einmal, konsequent verknüpft. Und das nicht mit Branchensoftware, die neue Abhängigkeiten schafft, sondern mit einem System aus modularen Werkzeugen, das TWI selbst versteht, pflegt und weiterentwickelt.
Was TWI heute ist
Seit dem Beginn der Zusammenarbeit hat sich das Eingangsrechnungsvolumen bei TWI erheblich erhöht, auf mehrere Hundert Rechnungen pro Monat. Mit demselben Team. Das ist der eigentliche Maßstab: nicht, wie viel Arbeit reduziert wurde, sondern wie viel mehr Geschäft dasselbe Team heute trägt.
Die Arbeit hat sich verlagert. Michael steckt nicht mehr im Tagesgeschäft, um zu wissen, wo eine Rechnung hängt oder wie die Marge auf einem Auftrag steht. Die Abteilungen kommunizieren über eine gemeinsame Datenbasis, die alle gleich sehen. Rückfragen entstehen seltener, nicht weil sie vermieden werden, sondern weil das System die Antworten vorhält. Neue Mitarbeiter können schneller eingearbeitet werden, weil das System Struktur gibt statt auf Erfahrungswissen einzelner Personen zu bauen.
Nach außen spüren Kunden die digitale Kompetenz. Wenn Michael heute bei einem potenziellen Neukunden sitzt und erklären kann, dass die gesamte Auftragsabwicklung digital durchgesteuert ist und das System ohne Reibungsverluste mit dem Auftragsvolumen mitskaliert, dann ist das kein Versprechen. Es ist eine Demonstration.
Das Selbstverständnis „Wir können das problemlos" ist selbst ein Verkaufsargument geworden.
Wir hatten ein funktionierendes System, das ganz natürlich an seine Grenzen kam. Heute funktionieren wir bei deutlichem Unternehmenswachstum in einem durchgängigen Prozess, von der Eingangsrechnung bis zum Buchhaltungsexport. Alle Fachabteilungen arbeiten auf derselben Basis, und ich habe jederzeit den Überblick über mein eigenes KPI-Dashboard.
Ergebnisse
Eingangsrechnungsvolumen
Vorher
Deutlich weniger Rechnungen/Monat
Nachher
Erheblich gestiegen, mit gleichem Team
Rechnungserfassung
Vorher
Manuell, mehrfach abgetippt
Nachher
Automatisiert, normalisiert, zugeordnet
Margenberechnung
Vorher
Manuell in Tabellen kalkuliert
Nachher
Automatisch berechnet, zur Freigabe bereitgestellt
Buchhaltung
Vorher
Manuelle Buchungssätze, Formatarbeit
Nachher
Standardisierte DATEV-Exporte, integriertes Prüfsystem
Überblick Geschäftsführung
Vorher
Rückfragen an Fachabteilungen
Nachher
Echtzeit-Dashboard mit aktuellen Kennzahlen
Skalierbarkeit
Vorher
Linearer Personalaufwand mit Volumen
Nachher
System wächst mit, Team bleibt gleich
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